Ein Fazit . . .

Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach ist ein Autorenfilm der am 26. Januar 1971 im Fernsehen uraufgeführt wurde, bei dem Volker Schlöndorff Regie führte und auch das Buch zusammen mit seiner späteren Frau Margarethe von Trotta schrieb. Der Film basiert eben auf dieser wahren Begebenheit, die sich am Anfang des 19. Jahrhundert in Mittelhessen ereignete.


Der für den Hessischen Rundfunk produzierte Film ist eine der raren Annäherungen an den Begriff Heimatfilm, der ohne jegliches Klischee auskommt. Stattdessen gelingt Schlöndorff eine ebenso einfühlsame wie unterhaltsame soziale Studie, die auf historischen Ereignissen beruht: 1822 überfallen verarmte Bauern aus dem hessischen Dorf Kombach einen Geldtransport. Eine andere Möglichkeit, ihre triste Situation zu verbessern, haben sie nicht, der Staat reagiert mit dem obligaten Strafgericht, ökonomische Verbesserungen für die Landbevölkerung werden nicht in Erwägung gezogen. (Textauszug: Filmarchiv Austria).


Für den in Wiesbaden geborenen Regisseur ist der Film für sein späteres Schaffen von Bedeutung: „Mit diesem Film habe ich eigentlich erst angefangen, mich zu entwickeln. Auch die Möglichkeit, mich an meine Kindheit in Hessen zu erinnern, hat mir gut getan“. Der Film wurde mit hessischen Darstellern an hessischen Schauplätzen gedreht und beinhaltet Verweise auf hessische Autoren: Zitate aus Büchners Woyzeck und aus Grimms Märchen ließ Schlöndorff in den Film einfließen. „Bei den Arbeiten zum Film habe ich mich auch selbst als Bruder Grimm begriffen, als ich Material über die damalige Zeit gesammelt habe“, erinnert sich Schlöndorff an die Entstehung des Films.*



Weiter sagt Volker Schlöndorff zu diesem Film: 


„Wir müssen versuchen, unsere Geschichte kritisch zu lernen und zu verstehen. Deshalb ist es wichtiger und aufschlussreicher, eine solche Episode aus unserer Vergangenheit in ihrer Zeit zu belassen, sie streng historisch darzustellen, als sie zu aktualisieren, ein Gleichnis, eine Parabel oder ähnliches daraus zu machen. Es genügt, den Text des „aktenmäßigen Berichts“ zu lesen, um zu verstehen, wie eine gewisse Struktur der Gesellschaft es den Benachteiligten unmöglich macht, ihre Lage zu durchschauen und diese zu verändern.“


Dieser Fernsehfilm wurde mit mehreren renomierten Preisen ausgezeichnet:


Filmband in Gold (Regie) für „Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach“

Festival Internacional de Cine de San Sebastián 

Preis des Internationalen Katholischen Filmbüros (OClC) 


In den Kritiken zu dem Film wird u.a. wird aufgeführt:


„Sozialkritischer Film, der im Stil einer schwermütigen Volksballade die Verarmung und Unterdrückung am Modell eines frühen Gemeinwesens zeichnet“.