Europa am Anfang des 19. Jahrhunderts . . .

Wir schreiben das Jahr 1800. Revolutionen, soziale Verwerfungen und Flüchtlingsströme sind Merkmale dieser Zeitepoche Anfang des 19. Jahrhunderts. Europa befindet sich in politisch unruhigen Zeiten und großen territorialen Verschiebungen, die auch die gesellschaftlich fest gefügten Strukturen bei uns im sogenannten „Hinterland“ tief greifend beeinflussten. 


Nach diesen gewaltigen Umwälzungen (z.B. Französische Revolution 1789), kriegerischen Auseinandersetzungen der Napoleonischen Zeit und der Neuordnung Europas beim „Wiener Kongress“ von 1815 sehnten sich die Menschen nach Ruhe und Stabilität. 


Aber es kommt anders: Europa erlebt ab 1816 ungewöhnliche Wetterphänomene und somit Hungersnöte längst vergessenen Ausmaßes. Warum sich die Wetterverhältnisse auf einmal derart veränderten, blieb für die Menschen der damaligen Zeit ein absolutes Rätsel. Erst im 20. Jahrhundert fanden Wissenschaftler für dieses Phänomen eine Erklärung. 


Die Ursache dazu lag auf der anderen Seite der Erdkugel im indopazifischen Raum. Dort brach im April 1815, auf der heute zu Indonesien gehörenden Insel Sumbawa, der Vulkan Tambora aus. Es war eine der größten Vulkanexplosionen der letzten 2000 Jahre, weit dramatischer noch als der Ausbruch des Vesuv in Italien im Jahr 79 n. Chr. 


Infolge dieser gewaltigen Erruption gelangten riesige Mengen an Schwefelgasen in die Atmosphäre, die als Aerosolwolken um den Erdball zogen und das Sonnenlicht absorbierten. Die Folge war ein so dramatischer und schlagartiger Klimawandel, wie ihn die Menschen in Europa nie zuvor erlebt hatten. 


Ein Chronist dieser Zeit beschreibt die damalige Wetter-Situation wie folgt: „Dunkle Gewitterwolken, die innerhalb von wenigen Augenblicken den letzte Funken Licht am Himmel verschwinden lassen, sintflutartige Regenfälle mit Eisregen prasseln auf einen hoffnungslos durchgeweichten Erdboden herab. Gewaltige Blitze zerschneiden den Himmel wie glitzernde Speere und machen das verhängnisvolle Naturspektakel vollkommen“.


Auch die Staubteilchen der Eruption verteilten sich um den Erdball und sorgten für ein Farbspektakel am Firmament und so vermuten Forscher, dass dieses Farbspiel sogar den Malstil zeitgenössischer Künstler wie William Turner, Caspar David Friedrich und anderen Malern beeinflussten. Auf ihren Gemälden wurden die Himmel plötzlich feuerrot dargestellt. Diese Erklärung dafür fanden nicht die Kunsthistoriker, sondern die Meteorologen im 20. Jahrhundert. Erst nach und nach normalisierte sich das Wetter und somit auch die Temperaturen in den folgenden Jahren in Europa wieder.


Dazu kamen noch die sozialen Verwerfungen nach auszehrenden Kriegen und Verlust des Nebenerwerbs z.B. in der Textilverarbeitung auf den die Menschen in dieser Zeit angewiesen waren. 


So waren z.B. britische Tuchwaren, die zum Teil bereits maschinell hergestellt wurden, nach Aufhebung der napoleonischen Kontinentalsperre und den sich dadurch wieder öffnenden europäische Markt billiger, als die in Handarbeit gefertigten Waren der Hinterländer Tuchweber und überschwemmten auch den deutschen Markt. Damit ging den Bauern und Tagelöhnern diese Nebenerwerbsquelle verloren.


Unter diesen Aspekten sollte man sich die Not der Menschen auch in unserer Heimatgemeinde Kombach verdeutlichen und warum es in Folge von Hunger und tiefer Armut zu Übergriffen wie „Wilderei“ oder den „Postraub in der Subach“ kam.